Wir wagen ein Leben als Digital Nomads.
Januar bis Juni 2022.

Sightseeing und Nightseeing

So, wir waren endlich im Stadtzentrum von Riga. Dabei war es gar nicht so leicht, dort hinzukommen! ÖV-Tickets über eine App kann man erst seit Herbst 2021 kaufen, und das aber auch nur mit einer lettischen Telefonnummer. Für uns gibt es eigentlich nur eine Option: Fahrten im Kiosk kaufen. Das ist eigentlich ziemlich ähnlich wie in manchen Skigebieten: Ich kaufe mir eine Anzahl Trips, und jedes Mal, wenn ich in den Bus einsteige, verliere ich einen Punkt. Das einzige Problem: Bei uns in der Agglomeration gibt es keine solchen Kiosks, wo man diese Tickets kaufen kann (oder wir haben sie noch nicht gefunden). Also sind wir mit dem Taxi in die Stadt gefahren und haben dann am Hauptbahnhof mit Händen und Füssen Tickets gekauft 😂

Was uns dabei direkt klar wird: Englisch ist hier kein Standard. Nicht so, wie man das in der Schweiz kennt. Das ist aber auch verständlich. Bis 1991 war Lettland Teil der Sowjetunion. Wenn Sachen beschriftet sind, sind sie immer auf Lettisch und Russisch beschriftet und wenn man Glück hat, danach auf Englisch.

Sightseeing in Riga

Das Erste, was man in Riga sehen sollte, ist sicher die berühmte Altstadt „Vecrīga“. Oder wie es mein Vater neulich beim Telefonieren formulierte: „Die fünf Häuser, die man immer sieht, wenn man Riga googelt“. Und eigentlich hat er schon recht. Die wichtigsten Teile der Altstadt, hat man in 20 Minuten zu Fuss umrundet:

Im Zentrum von Vecrīga steht die grosse St. Petrikirche. Diese Kirche hat den höchsten Kirchturm. Wer diesen Turm hinaufsteigt (ok, es hat ein Lift, so anstrengend war es nicht), wird mit einer wunderbaren Aussicht über die ganze Stadt belohnt.

Wie man sieht, liegt aktuell viel Schnee. Es ist auch ziemlich kalt. Der Daugava Fluss, der durch Riga fliesst und am Ende im Meer mündet, ist aktuell gefroren:

Eine Stadt mit einer bewegten Vergangenheit

Wir haben vor, die Geschichte von Riga noch ein bisschen genauer zu entdecken. Aber wer durch die Altstadt spaziert, kommt an den Spuren der zahlreichen Besetzungen nicht vorbei. Für Geschichtsinteressierte: Im 17. Jahrhundert war Riga die Hauptstadt des schwedischen Reiches. 1721 wird Riga Teil des russischen Kaiserreichs (damals wurde auch die St. Petrikirche gebaut). Es folgen immer wieder Besetzungen, unter anderem durch die Briten. 1918 wird Lettland gegründet und Riga wird zur Hauptstadt erklärt. Kurz darauf wird die Sowjetunion gegründet und damit starten turbulente Zeiten. Die Stadt und auch Teile des Landes werden von Nazi-Deutschland und der Sowjetunion zeitweise beherrscht und dann wieder vom Gegner übernommen. Die Besatzung endet erst 1991 mit dem Niedergang der Sowjetunion. Viele Teile der Bevölkerung haben noch heute Verbindungen zu Russland. Etwas mehr als 25% der lettischen Bevölkerung ethnische Russen. In Lettland gibt es öffentliche und private Medien, die auf Russisch senden. Ausserdem finanziert die lettische Regierung Schulen und Klassen mit Russisch als Unterrichtssprache.

Lichtverschmutzung on point

Nach dem Sightseeing kommt dann jede Nacht das Nightseeing. Man kann nämlich hier auch in der Nacht sehen! Wenn der Himmel bewölkt ist, reflektieren die Wolken die Stadtbeleuchtung. Das führt dazu, dass es in der Nacht fast hell ist. Dieses Foto haben wir um 23 Uhr aufgenommen:

Dieses Licht über der Stadt hat sogar einen Namen: Aurora Urbana. In Anlehnung an die Nordlichter, die auch „Aurora“ genannt werden. Hier gibt’s also keine richtigen Nordlichter zu sehen, dafür städtische Nordlichter 😅