Wir wagen ein Leben als Digital Nomads.
Januar bis Juni 2022.

Digital-Nomad-Träume. Oder?

Disclaimer: Dieser Blogpost ist leider weniger enthusiastisch als alle vorherigen. Aber wir wollten ehrlich sein und nicht ein Bild zeichnen, das wir so nicht sehen.

Wir sind jetzt seit Sonntag in Bali, genauer gesagt in Canggu. Die Küstenstadt ist einer der Hotspots für digitale Nomaden. Dementsprechend waren unsere Erwartungen hoch, dass es hier alles gibt, was wir uns erträumen können.

Leider wurden wir ziemlich schnell eines Besseren belehrt. Die indonesische Kultur spürt man hier kaum. Die Bevölkerung in Canggu besteht kaum aus Einheimischen, wird dominiert von Australiern und Russen. Das Essen, die Sprache, das Verhalten: Es könnte auch irgendeine westliche Stadt am Meer sein.

Natürlich hat das auch Vorteile, die gerade als Digital Nomad sehr wertvoll sind. Stabiles und schnelles Internet, gutes Essen (wir haben auf der ganzen Reise nicht so gut und günstig gegessen), keine Sprachbarrieren (alle sprechen Englisch). Trotzdem ist das Ziel des Reisens ja eigentlich, andere Kulturen kennenzulernen.

Die Kultur hier ist nicht wirklich indonesisch. Interessant ist sie allemal. Nennen wir sie „Digital-Nomad-Influencer-Kultur“. Praktisch jedes Hotel hier bietet Plätze zum Arbeiten. Yoga-Gruppen und Surfer prägen das Strandbild. Beim Abendessen wird am Nachbartisch über Kryptowährungen und Selbstständigkeit gesprochen. Eigentlich ja eine pulsierende, aufstrebende Kultur. Klingt doch spannend!

Es gibt nur ein Problem: Die Bereitschaft der Expats, sich kulturell anzupassen, geht gegen null. Wir haben gelesen: Die Einheimischen hatten in der Pandemie die Corona-Regeln sehr ernst genommen. Die Expats haben diese Regeln mit Füssen getreten und haben Streiche gespielt, wo sie ohne Masken in Läden spaziert sind. Für YouTube. Gestern hat eine einheimische Familie ein hinduistisches Ritual am Strand durchgeführt, dabei wurden sie zum Fotomotiv. Natürlich ungefragt. Immobilienprojekte prägen die Landschaft und die Werbung hier. Investoren sind aber nicht die Locals, sondern vorwiegend Australier, Amerikaner und Russen. Die Gewinner dieses Systems sind nicht die Leute von hier. Sie sind in aller Regel Angestellte, nicht Besitzer. Und das gibt diesem ganzen Aufschwung hier einen ganz komischen Beigeschmack.

Um ehrlich zu sein: Wir konnten uns in unserer ersten Woche hier noch nicht wirklich anfreunden mit diesem Ort. Und das liegt nicht an Bali oder den Einheimischen. Zum Glück haben wir aktuell gut zu tun bei der Arbeit. So nutzen wir das schnelle Internet und arbeiten aktuell eher eine sechs-Tage-Arbeitswoche.

Morgen wechseln wir noch die Region in Canggu, vielleicht revidieren wir dort unsere Meinung. Am Freitag reisen wir dann weiter nach Ubud, das ist eher in der Mitte der Insel Bali. Dort ist vielleicht auch alles anders.

Trotzdem ist natürlich auch hier nicht alles schlecht! Wer gutes Essen mag, ist hier definitiv gut aufgehoben. Auch der Strand ist wirklich schön. Hier noch ein paar Fotos 😉